Projektbeschreibung
Die Ortsgemeinde Quirnbach/Pfalz möchte langfristig und zukunftssicher ihre Funktion als attraktiver Wohn- und Lebensraum für alle Einwohner sicherstellen. Mit verschiedenen Projekten arbeitet die Gemeinde seit Jahren aktiv und erfolgreich an diesem Ziel. So stößt das Projekt „Quirnbach inTakt“ zwischenzeitlich auch überregional auf große Aufmerksamkeit und wird nicht selten als „Best-Practice-Beispiel“ der Dorfentwicklung herangezogen.
Im Zuge der Anstrengungen zur positiven Entwicklung des Dorfes ist in den letzten Jahren ein Defizit im Angebot von bedarfsgerechtem Wohnraum für bestimmte Zielgruppen deutlich geworden.
Der demografische und gesellschaftliche Wandel ist auch in Quirnbach/Pfalz spürbar. Der Anteil älterer Menschen steigt auch in Quirnbach deutlich an, sie besitzen mehrheitlich den Wunsch, im eigenen Dorf alt zu werden. Gleichzeitig ist durch die zunehmende Pluralisierung, Individualisierung und Internationalisierung der Gesellschaft aber auch ein steigender Anteil an Singles bzw. Alleinlebenden (jungen) Menschen feststellbar.
Der Bedarf dieser Gruppen (ältere Menschen einerseits und Singles andererseits) an zielgruppengerechten Wohnformen kann aktuell in Quirnbach nicht gedeckt werden. Weder steht ausreichend barrierefreier Wohnraum zur Verfügung, noch existieren genügend kleine, bezahlbare Wohnungen für Alleinlebende. Auch Wohnraum für die Einrichtung von alternativen Wohnformen von z.B. Senioren-WGs oder Mehrgenerationenwohnen zur Deckung des beschriebenen Bedarfes ist aktuell nicht verfügbar.
Die (Mindest-)Nachfrage nach den genannten Wohnformen ist in Quirnbach sehr gut abschätzbar:
Barrierefreie Wohnungen für Senioren/Wohn-Pflege-Gemeinschaft:
Über die beiden im Rahmen des Projektes Quirnbach inTakt tätigen Koordinatorinnen besteht ein sehr gutes Bild zur Situation älterer (und teilweise alleinlebender) Menschen im Dorf (über das übliche Maß an Kenntnissen im Dorf hinaus). In dieser Bevölkerungsgruppe besteht eine große Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum im Dorf bzw. es besteht der große Wunsch, so lange wie möglich in Quirnbach wohnen zu können. Eine niederschwellige Betreuung der Menschen in der (neuen, barrierefreien) Wohnung wäre über das Projekt „Quirnbach InTakt“ bzw. die beiden Koordinatorinnen sichergestellt. Mit einem ambulanten Pflegedienst wurde auch schon die pflegerische Versorgung der potentiellen Bewohner einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft vereinbart.
Hinsichtlich der grundsätzlichen Machbarkeit, der Anzahl, Eignung und Verfügbarkeit von Objekten in Quirnbach sowie des Aufwandes für den notwendigen Umbau bzw. die entsprechende Umnutzung von Gebäuden zur Deckung des festgestellten Bedarfes wurde vor Jahren bereits eine entsprechende Machbarkeitsstudie erstellt.
Single-Wohnungen/bezahlbare Wohnungen für Alleinerziehende und junge Familien:
In Quirnbach leben seit über 10 Jahren Flüchtlinge aus Eritrea und Pakistan, welche sehr gut in die Dorfgemeinschaft integriert sind. Aktuell wohnt nur eine Familie mit 3 Kindern in einer größeren Mietwohnung, sechs alleinstehende junge Männer leben in Wohngemeinschaften, die sie gerne in eigene, kleine und bezahlbare Wohnungen in Quirnbach umwandeln würden. Über die Nachfrage durch die genannten Neubürger hinaus bestehen fast wöchentlich Anfragen von jüngeren Mitbürgern (auch von Einzelpersonen mit und ohne Kinder bzw. jungen Paaren – auch aus umliegenden Dörfern), die bezahlbaren Wohnraum in Quirnbach suchen.
Darauf aufbauend wurden nachfolgend genannte Projektziele definiert.
Projektziele
Übergeordnetes Ziel ist es, Quirnbach als Wohn- und Lebensraum für alle Bevölkerungsgruppen langfristig attraktiv zu halten, indem am tatsächlichen Bedarf angepasste und bezahlbare Wohnungen und Wohnformen für spezielle Zielgruppen geschaffen und langfristig gesichert werden.
Dies soll über folgende Unterziele erreicht werden:
- Errichtung einer Wohn-Pflege-Gemeinschaft mit 8–12 Plätzen. Die Verknüpfung mit dem Projekt „Quirnbach InTakt“ bietet sich an – eine niederschwellige Betreuung der Menschen im Ort kann über dieses Projekt gesichert werden.
- Schaffung von barrierefreiem Wohnraum für ältere Menschen / Senioren.
- Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Singles / alleinstehende Menschen, u.a. für die im Dorf lebenden Flüchtlinge.
- Nach Möglichkeit Realisierung über die Etablierung alternativer Wohnkonzepte wie Wohngemeinschaften, Generationenwohnen etc. unter Einbindung von Begegnungsmöglichkeiten / Kommunikationsräumen für die Bewohner.
Über die genannten übergeordneten Ziele hinaus werden mit dem Projekt folgende weitere Ziele verfolgt:
- Sinnvolle Folgenutzung für bestehende oder drohende Leerstände im Ort;
- weitere Förderung der intakten Dorfgemeinschaft über a) die Schaffung einer bürgernahen Struktur als Träger des Projektes (Genossenschaft), b) die Einbindung von ehrenamtlichem Engagement bei der Umsetzung/Realisierung von Umnutzungen/Sanierungen sowie
- langfristige und dauerhafte Integration von Neubürgern in die Dorfgemeinschaft;
- Förderung des ehrenamtlichen Engagements im Ort;
- Förderung regionaler Wertschöpfungsketten über das Engagement von regionalen Handwerksbetrieben;
- Leistung eines Beitrages zu Umweltschutz und Klimaschutz durch den Einsatz erneuerbarer Energien bei der Konzeption der Gebäude.
Bisherige Aktivitäten zur Zielerreichung
Mit der Bewerbung zur Modellkommune RLP hat sich die Umsetzung der erarbeiteten Ideen konkretisiert. Insbesondere mit Unterstützung des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (Sozialraumentwicklung bzw. Neues Wohnen) und der externen Beratung durch Stadtberatung Dr. Fries wurde in mehreren Veranstaltungen und Treffen an der Realisierung gearbeitet. Es wurden
- Bedarfe definiert;
- potentielle Gebäude identifiziert;
- Kontakt zu den jeweiligen Eigentümern aufgenommen;
- Abstimmungsgespräche zu Gebäudeverfügbarkeiten geführt;
- Konzentration auf zwei Gebäude vorgenommen;
- Ortsbesichtigungen unter Einbindung einer Architektin durchgeführt;
- erste Entwürfe und Kostenschätzungen erstellt;
- Reservierungsbestätigungen mit den Eigentümern ausgehandelt;
- die Ergebnisse des ersten Projektjahres in einer Bürgerveranstaltung präsentiert.
Auch erfolgte die Vernetzung mit anderen Akteuren:
- Teilnahme an mehreren Fachtagungen
- Wohnen im Alter in Mainz
- Angebote zur Unterstützung im Alltag (Mainz)
- Mehrere Treffen mit unserer Beratungsfirma und dem LSJV
- Besuch der anderen Modellkommunen Wohn-Punkt RLP in Quirnbach mit Vortrag des OB aus Gillenfeld
- Teilnahme an Netzwerktreffen
- Netzwerk für das Alter im Landkreis Kusel
- Kreisseniorenrat
- Regionale Pflegekonferenz
- Gemeindeschwester plus, Koordinator für Seniorenangelegenheiten
- Pflegestrukturplanung des Landkreises Kusel
Von Beginn an wurden auch die Bürgerinnen und Bürger durch folgende Aktionen in das Projekt mit eingebunden:
- Monatlicher Bürgertreff
- Fragebogenaktion zum Auftakt und zum Abschluss des ersten Projektjahres WohnPunkt RLP
- laufende Information am wöchentlichen Markttag
- konkrete Bedarfe bzw. Wünsche wurden auch persönlich erfragt
- Interessentenliste für Genossenschaft bzw. eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft wurde angelegt.
Es wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit verschiedenen Themen beschäftigten. U.a. wurden bezüglich der möglichen Trägerstruktur folgende Überlegungen angestellt:
- Ortsgemeinde soll partizipieren, aber nicht als Träger fungieren;
- mehrere Rechtsformen wurden durchleuchtet und entsprechende Beispiele betrachtet;
- Konzentration auf Stiftung/Genossenschaft;
- Entscheidung für Genossenschaftsmodell.
Schritte zur Genossenschaftsgründung
- Namensgebung der Genossenschaft: Quirnbach zuHaus
- Satzungsentwurf mit Genoverband erarbeitet und abgestimmt
- Rechtliche Rahmenbedingungen
- Festlegung Höhe Genossenschaftsanteil (1.000,00 €); pro qm Wohnfläche muss ein weiterer Geschäftsanteil erworben werden
- Förderfähige (Dividende, Stimmrecht) und investierende (feste Verzinsung, kein Stimmrecht, Dividende) Mitglieder erlaubt
- Weitervermietung nur mit geringem Aufschlag erlaubt
- Einbindung/Beteiligung Ortsgemeinde – Sitz im Aufsichtsrat (RZN-Mittel dürfen in Absprache mit dem Wirtschaftsministerium RLP als Sacheinlage in die Genossenschaft verwendet werden)
- Erstellen einer Wirtschaftlichkeitsberechnung/eines Finanzplanes
- Vorbereitung aller notwendigen Dokumente/Erklärungen zur Gründung und Eintragung
- Organisation und Durchführung einer Gründungsversammlung
- Eintragung ins Genossenschaftsregister
Dazu haben wir bereits die Förderzusage „Experimenteller Wohnungsbau“ des Finanzministeriums RLP. Mit involviert sind schon der Genoverband und die Volksbank Glan-Münchweiler.
Planungsstand
- für beide Gebäude liegt ein individuelles Vorkaufsrecht vor
- 2-D-Vermessungsarbeiten Geb. A durchgeführt (11.05.26)
- Konzepterstellung KFW-Effizienzhaus Geb. A durchgeführt (EH 55 wirtschaftlich umsetzbar)
- Brandschutz Geb. A (Auftrag erteilt)
- Genehmigungsplanung Geb. A (Auftrag LP 1–9 erteilt) – kann phasenweise beauftragt werden
- Gebäude B, 2 Flurstücknummern: Bewilligungsbescheid OG, dass alter Gebäudeteil und Werkstatt mit RZN-Mitteln erworben werden dürfen
- Neuerer Anbau: Erwerb durch einen Flüchtling (Darlehensverhandlungen kurz vorm Abschluss)